Die Werbung
Unter dem Begriff "Nopal" werden verschiedene Produkte angeboten. Meist handelt es sich um Zubereitungen aus getrockneten Blättern, Stängeln oder Blüten. Angepriesen werden sie als Hilfe zur Gewichtsreduktion, aber auch zur Behandlung von Diabetes und zur Senkung des Cholesterinspiegels. Nopal-Saft soll laut Werbung die Abwehrkräfte stärken, die Schleimlösung bei Atemwegserkrankungen und die Verdauung fördern. Für Nopal-Saft werden je Liter um die 35 Euro verlangt; für Kapseln zahlt man pro Monatsdosis zwischen 15 und 35 Euro; 100 Gramm Kaktuspulver kosten zwischen 6 und 15 Euro.
Die Wirklichkeit
Nopal hat einen hohen Gehalt an Faserstoffen (Ballaststoffen) und wirkt dadurch verdauungsfördernd und leicht sättigend. Außerdem wartet der Feigenkaktus mit Mineralstoffen wie Calcium und Magnesium sowie Pflanzensterinen (Beta-Sitosterin) und Flavonoiden auf. Wie viele und welche der ursprünglichen Nährstoffe tatsächlich noch in den Zubereitungen als Nahrungsergänzungsmittel enthalten sind, lässt sich nicht sagen. 100 Gramm der Pflanze lassen sich, obwohl der Wassergehalt 80 Prozent beträgt, nicht in einer Kapsel mit 2 Gramm Pulver unterbringen. Standardisierte, kontrollierte Zubereitungen und Wirknachweise sind für Nahrungsergänzungsmittel nicht vorgeschrieben; die gibt es nur für Arzneimittel.
Nopal senkt möglicherweise den Blutzucker. Trotzdem eignen sich derartige Nahrungsergänzungsmittel nicht zur Behandlung eines Diabetes. Inwieweit sie zusätzlich zu Medikamenten genommen werden können, muss mit dem Arzt geklärt werden.
Unter dem Wirkstoffnamen "Opuntia" werden Kaktusprodukte auch zur Verbesserung der Cholesterinwerte angeboten. Eine
Untersuchung der vorliegenden Studien durch die Europäische Lebensmittelsicherheitsbehörde EFSA (August 2008) hat aber ergeben, dass es keinen signifikanten Effekt auf die Blutfettwerte gibt. Das "schlechte" LDL-Cholesterin wird nicht gesenkt, das "gute" HDL-Cholesterins nur minimal verbessert. Unsere Empfehlung
Über die (Langzeit-)Wirkung und die genaue Zusammensetzung von Nopal- bzw. Opuntia-Nahrungsergänzungsmitteln ist zuwenig bekannt, als das man sie aus wissenschaftlicher Sicht für sicher erklären könnte. Allerdings dürfen Hersteller laut
Lebensmittelgesetz nur sichere Lebensmittel verkaufen und tragen dafür auch die Verantwortung. Darüber hinaus weiß man bisher nichts über mögliche (Wechsel-)Wirkungen der verschiedensten Extrakte. Das ist insbesondere für Chronisch Kranke und Personen riskant, die regelmäßig Medikamente einnehmen müssen. Wer dennoch Produkte probieren möchte, sollte unbedingt vorher seinen Arzt/Apotheker fragen – beispielsweise könnte eine zeitlich versetzte Einnahme wichtig sein. Die Verbraucherzentrale rät von einem Verzehr eher ab. Kaktusfeigen und -Blätter dagegen sind traditionelle, unproblematische Lebensmittel, die bedenkenlos in normalen Mengen innerhalb üblicher Mahlzeiten gegessen werden können.

